Ein Update aus meiner #REHA-litÀt
Mein letzter Post war am 04.12.
âŠund sagen wir so: Es ist einiges passiert.
But first: Frohes Neues, liebe Leser! âš
Möge das Jahr 2026 euch viele VerÀnderungen schenken, ganz viele Marmeladenglasmomente, Gesundheit, Leichtigkeit und Freude.


đïž Einzelzimmer â Segen mit Nebenwirkungen
Fangen wir mit der Wahrheit an: Das Einzelzimmer ist ein Gamechanger.
Ich habe:
âą Platz
âą Ruhe
âą Struktur
âą erholsamen Schlaf (getrackt â kein nĂ€chtlicher Echtzeitstress mehr!)
âą Zeit zum Lesen
âą Raum fĂŒr Yoga
âą deutlich weniger innere ReizĂŒberflutung
Ich kann Serien schauen ohne Kopfhörer.
Ich putze nur meinen eigenen Dreck.
Ich rege mich weniger ĂŒber fremde Unordnung auf.
Mein Nervensystem sagt: Danke, das habe ich gebraucht.
AberâŠ
Ich hatte lange das GefĂŒhl, ich sei hier die meistgehasste Person auf dem GelĂ€nde wegen der Einzelzimmersituation. Und dann kam vor ein paar Tagen ein Mit-Rehabilitant zu mir und sagte:
âIch hab dich lange gehasst deswegen. Mittlerweile mag ich dich.â
WOW. Ehrlich. Direkt. Erwachsen.
HĂ€tte ich mich das getraut? Vermutlich nicht.
Parallel dazu hatte ich eine richtige Down-Phase. Tageweise depressiv, geschwollenes Gesicht, ich super schlĂ€frig.. Jetzt bekomme ich zusĂ€tzlich Vitamin D â und ja, ich habe das GefĂŒhl, es hilft. Hallo Winter-Depression.
Was mich zusÀtzlich beschÀftigt: meine nÀchtliche AktivitÀt.
Ich trĂ€ume extrem real. Morgens â oder nach einem Mittagsschlaf â bin ich oft richtig orientierungslos, emotional durchmischt, völlig durcheinander.
Manchmal frage ich mich: Sind das HeilungstrÀume?
Ich öffne alte Themen, wÀhrend mein System gleichzeitig kÀmpft:
Ist das hier sicher? Halte ich das aus? Was, wenn ich zurĂŒckfalle?
Super unangenehm. Aber vielleicht auch einfach Teil des Prozesses.

đŻ Homies, Herzmenschen & kollektiver Wahnsinn
Mein Freundeskreis hier ist gewachsen.
Aus M&M wurde:
M, M, M, B, R und ich. Unser Gang-Name: die TannerGy`s. đČâĄ
Einer meiner Mâs ist leider gegangen, einer blieb, zwei neue kamen dazu. Mein Herz sagt: Team-Upgrade. Aber auch weine ich meinem anderem M noch nach, er fehlt mir hier sehr!
Jeden Abend Beamer-Film.
Einer kocht mit Liebe.
StadtausflĂŒge.
Und ja⊠Energydrinks heimlich zwischen TannenbÀumen trinken, als wÀren wir 14.
Wir haben sogar mal die Regeln gebrochen und jemanden aus Phase 1 mit ins Pfannkuchenhaus geschmuggelt. Mein Gewissen hatte danach Dauer-Schicht.
Ich mag diese Menschen wirklich sehr. Sie machen das hier tragbar und inspirieren mich.
Und gleichzeitig lerne ich tĂ€glich Akzeptanz. Nicht jeder hier ist auf unserer WellenlĂ€nge. Manche triggern, manche nerven, manche ĂŒberfordern.
Meine Ăbung:
Impuls stoppen.
Atmen.
Nicht alles kommentieren.
Achtsamkeit-Level: in Arbeit.

đ Köln, beste Freundin & Perspektivwechsel
Ich habe meine beste Freundin in Köln getroffen.
Hotel. Abstand. Andere GesprÀche. Andere Welt.
Und plötzlich fiel mir auf, wie intensiv â fast surreal â der Klinikalltag manchmal ist. Dieser Abstand war Gold wert. Ein kleiner RealitĂ€ts-Reset.




đ Weihnachten, Wichtelpoesie & nĂŒchternes Silvester
Heiligabend hier war liebevoll organisiert: weihnachtliches Kantinenessen, Wichteln, Gedichte fĂŒreinander.
Mein Spruch beschrieb mich als starke, lachende, organisierte Powerfrau mit Feuerenergie.
Ich fĂŒhlte mich gesehen.
Silvester: Essen, Quiz, Bingo, Mini-Feuerwerk.
Erstes Silvester nĂŒchtern. WOW und es hat SpaĂ gemacht! Ich habe um die Weihnachtsfeiertage und Silvester spirituelle Rituale gemacht, mich um mich gekĂŒmmert, habe versucht alte Sorgen und Wunden loszulassen und war ganz bei mir.
Und am nÀchsten Tag?
Phantom-Kater.
Kopfweh. Magen so: âWarum existiere ich?â
Vielleicht war einfach nur meine Social Battery leer.

đ§ âSie kommen immer mit Schleifchenâ
Therapie-Feedback: „Sie bringen immer ein fertig gepacktes Paket mit. Sogar mit Schleifchen.â
Autsch. Treffer.
Mein Muster:
GefĂŒhle vorsortieren. Probleme benennen. Kontrolle behalten.
Neuer Schritt:
Ich gehe unvorbereitet in die Stunde.
Und plötzlich sprudelt alles raus. Ungefiltert. Emotional. Echt.
Das Organisieren war Kompensation. Kontrolle. Zwanghafte Anteile.
Als ich das verstand, fĂŒhlte es sich an, als wĂŒrde mir ein Teil meiner Persönlichkeit weggenommen.
Ohne Konsum.
Ohne alte Muster.
Ohne Ersatzstrategien.
Ich lerne mich neu kennen.
Und dann kam die Frage: Wer bin ich eigentlich?
Meine Schwester antwortete mit einem Text, der mich zum Weinen brachte. Daraus wird mein neues Tattoo:
AuĂen hart. Innen Herz.
Nicht leicht zu knacken. Viel Tiefgang. Aber voller Liebe, wenn man drin ist.
Seitdem ist diese Frage leiser geworden.
Danke, Schwesterherz. đ€

âšïž VertrĂ€glich⊠manchmal zu sehr
Persönlichkeitstest: die VertrÀgliche.
Konflikte meide ich. Grenzen? Werden noch ĂŒbertreten.
Beispiel Sauna: Eigentlich Zweier-Date mit R. Dritte Person wollte mit. Ich sagte ja, um keinen Stress zu haben. Am Ende zog sie sich selbst zurĂŒck â und wir hatten doch unsere Zweisamkeit.
Learning:
Ich darf Nein sagen, ohne schlechtes Gewissen.
Sauna ist jetzt ĂŒbrigens mein neues Belohnungssystem.
đ€ Lebensgeschichte vor der Gruppe
Ich habe meine Geschichte in der Gruppe vorgestellt. Mit PowerPoint.
Mut-Level: Endgegner.
Danach kam Wut. Tiefe Wut.
Auf das, was war. Auf Verletzungen. Auf Vergangenes.
Diese Themen bearbeiten wir jetzt intensiv in der Einzeltherapie. Und ich merke: Die Zeit reicht kaum fĂŒr alles, was hochkommt.



đ§ Wie es weitergeht
Meine Anschlussbehandlung ist gesichert:
DBT ab Ende MĂ€rz.

Ich packe hier Anfang MĂ€rz meine Sachen, habe dann zwei Wochen zum Durchatmen, Menschen sehen, Wohnung ausmisten.
Ich möchte minimalistischer leben â auch das habe ich hier ĂŒber mich gelernt.
Neuer Therapieplan:
Achtsamkeit, StressbewÀltigung, Schwimmen, Berufsorientierung.
Und ich bin ehrlich: Der Plan dĂŒrfte fĂŒr mich sogar noch voller sein.
Nach all den Arbeitsjahren fĂŒhlt sich diese Pause noch immer seltsam an â aber vielleicht ist genau das jetzt meine Arbeit: Heilung.

đ Erste Heimfahrt
NĂ€chste Woche fahre ich nach Berlin.
Mittwoch bis Sonntag.
Ich bin gespannt:
Wie fĂŒhlt sich meine Wohnung an?
Wie mein altes Leben?
Wie sehr habe ich mich verÀndert?
Ăber 90 Tage clean.
Mehr bei mir.
Mehr Bewusstsein.
Mehr echtes Ich.
đż Fazit
Ich bin nicht âfertigâ.
Ich bin mittendrin.
Zwischen Heilung und Chaos.
Zwischen IdentitÀtsfragen und neuen Antworten.
Zwischen RĂŒckschritten und riesigen inneren Fortschritten.
Und vielleicht ist genau das gerade mein Weg:
Nicht funktionieren.
Sondern fĂŒhlen. Lernen. Werden. đ

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