Montagmorgen.
Sechs Tage Detox â sechs Tage in der Psychiatrie.
Der Kaffee schmeckt bitter, die Luft ist schwer, und die Stimmung irgendwo zwischen genervt, ĂŒberfordert und still.
Ich spĂŒre, wie in mir etwas kippt.
Ich will hier raus.
PrivatsphĂ€re wird hier groĂgeschrieben â also theoretisch.
In der Praxis heiĂt das: TĂŒren gehen ohne Klopfen auf, Leute kommen rein, Sachen verschwinden, GerĂŒchte entstehen, selbst beim duschen werden abgeschlossene TĂŒren geöffnet.
Es ist ein bisschen wie WG-Leben auf Speed â nur ohne den SpaĂ.
Ich merke: Ich brauche Abstand.
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â Morgens, bei der Medikamentenausgabe.
Ich frage vorsichtig:
âWissen Sie, wann es endlich weitergeht Richtung Reha?â âIch wĂŒrde gern mit der Ărztin sprechenâ
Die Pflegekraft schaut in den Plan und sagt knapp:
âDie Ărztin ist gerade erst aus dem Urlaub zurĂŒck, ich glaube das geht heute nicht, reden Sie bitte mit dem Sozialdienst.â
Ich kann nichts sagen.
Nur noch nicken.
Dann drehe ich mich um und verlasse den Raum â weinend.
TrÀnen, einfach so.
HeiĂ, lautlos, befreiend und schmerzhaft zugleich.
Alle sprechen mich an, fragen was los ist, wollen trösten â aber ich will einfach nur meine Ruhe.
Kein âWird schon wiederâ, kein âKopf hochâ.
Ich will niemanden sehen.
Ich gehe in mein Zimmer, setze mich aufs Bett und lasse es einfach laufen.
Zum ersten Mal seit Tagen weine ich richtig.
Alles in mir schreit: Ich bin hier falsch.
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đŽââïž Sporttherapie â Fahrradfahren
Ich fahre mit.
Weil Bewegung vielleicht hilft, wenn Worte gerade nicht gehen.
Frische Luft, Sonne im Gesicht â und fĂŒr einen Moment fĂŒhlt es sich leichter an.
Aber im Kopf bleibt der Gedanke: Ich muss hier raus.
ZurĂŒck auf Station.
Ich ziehe die Jacke aus, atme tief durch â und gehe direkt zum Sozialdienst.
Wenn was passieren soll, dann jetzt. Und von allein passiert hier nichts, ich muss mich kĂŒmmern!
Ich erklĂ€re ihm ruhig, aber mit TrĂ€nen in der Stimme: Dass ich mich hier fehl am Platz fĂŒhle. Dass mich das Umfeld mehr stresst als stabilisiert.
Dass ich nicht aufgeben will â nur weitergehen.
Er hört zu.
Wirklich.
âIch checke die KapazitĂ€ten in der Rehaâ, sagt er. âGeben Sie mir eine Stunde.â
Ich nicke.
Setze mich in den Aufenthaltsraum ans Fenster, schaue in den grauen Himmel.
Alles fĂŒhlt sich still an.
Hoffnung, ganz leise.
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đ Eine Stunde spĂ€ter.
Er kommt zurĂŒck.
âIch hab telefoniert â es gibt einen Platz. Sie dĂŒrfen morgen gehen!â
Ich kannâs kaum glauben.
Mein Herz springt, ich könnte schreien vor Freude.
Endlich. Weiter.
Doch kaum fĂŒnf Minuten spĂ€ter steht er wieder vor mir.
âFrau E., es gibt ein Problem. Laut Akte hĂ€ngen Sie noch im Distra-Schema.â
Mir rutscht das Herz in die Hose.
âAber ich habe nicht eine dieser Tabletten genommen!â Ich habe keine Entzugserscheinungen und wollte nie einer dieser Tabletten zu mir nehmen, weil ich sie nicht brauche.
Er nickt, seufzt.
âIch klĂ€re das mit der Ărztin. Noch ist nichts entschieden.â
Die nĂ€chsten 20 Minuten fĂŒhlen sich an wie eine Ewigkeit.
Ich laufe auf und ab, rede mir innerlich gut zu â und dann kommt er wieder.
âAlles gut. Ich hab mit der Ărztin gesprochen â Sie dĂŒrfen gehen.â
Ich atme auf.
Ich darf wirklich gehen. đ

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đ¶ Walk of Joy
Ich drehe noch eine letzte Runde mit Ole-OlĂ©-RenĂ© â zu Lidl, Aldi und sogar ins Garten- und Hobbycenter.
Ich brauche eine zusĂ€tzliche Tasche (weil ich die Pumpe fĂŒr meine Vakuumbeutel natĂŒrlich zuhause vergessen habe â logistisches Genie lĂ€sst grĂŒĂen).
Wir laufen, lachen, reden.
Und irgendwo zwischen Einkaufswagen, Herbstluft und Plastikblumentöpfen merke ich: Ich bin high.
Nicht von Drogen.
Sondern von Freiheit.
Von Erleichterung.
Von mir selbst.
âž»
đ Fazit:
Manchmal fĂŒhlt sich âgehen dĂŒrfenâ an wie fliegen.
Und vielleicht ist das genau der Moment, in dem Heilung beginnt â wenn man merkt, dass man wieder Richtung Leben lĂ€uft.
Ich bin gespannt, was mich morgen erwartet.
Zwischen 9 und 10 Uhr sollâs losgehen.
Update folgt, sobald ich wieder mehr zu erzĂ€hlen habe. đ
Bleibt gesund und munter ihr lieben da drauĂen đ«¶đ»
*FYI: Distra-Schema – was ist das eigentlich? Ein Schema zur Ablenkung/Distanzierung von Suchtdruck oder Cravings bei Menschen in einer Entzugs- oder Rehabilitationsstation. Solche Schemata werden oft in der Verhaltenstherapie oder Suchttherapie eingesetzt. Man bekommt also 2 Kapseln um ruhig gestellt zu werden, diese können alle 2 Stunden verabreicht werden, wenn man an Entzugserscheinungen leidet.

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